Slevogts Netzwerk

Gegenseitige Besuche, gemeinsame Geburtstagsfeiern, Theaterbesuche und Kneipenabende: Max Slevogt und seine Verleger Paul und Bruno Cassirer verband weit mehr als nur eine geschäftliche Beziehung. Es war vielmehr eine enge freundschaftliche Verbindung, die zwischen ihnen über Jahre bestand. Auch Slevogts Künstlerkollegen Lovis Corinth und Max Liebermann gehörten zum Freundeskreis. 

Kennen gelernt hatte Max Slevogt Paul Cassirer bereits in München im Umfeld des „Simplicissimus“, für den Cassirer arbeitete und für welchen Slevogt damals als Zeichner tätig war. Sowohl Slevogt als auch Lovis Corinth besuchten den Verleger und Kunsthändler häufig in seiner Wohnung. Auch die damals bereits von Cassirer erworbenen Gemälde der jungen Künstler, präsentierte er dort gerne.

Paul Cassirer verband aus seiner Leidenschaft für die Kunst heraus stets Privates und Geschäftliches. Mit einem Großteil der Künstler, die er unterstütze − neben den drei sog. „Deutschen Impressionisten“ Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt unter anderem auch August Gaul, Walter Leistikow, Oskar Kokoschka, Georg Kolbe oder Ernst Barlach − war er freundschaftlich verbunden. Davon zeugen zahlreiche Briefwechsel, in denen es neben geschäftlichen Dingen auch immer wieder um private Fragen ging.

Auch beruflich war er mehr als ein reiner Kunsthändler, der ausschließlich pekuniäre Interessen verfolgte. Er verband seinen Beruf mit Propaganda für seine Künstler und die damit verbundenen modernen Kunstauffassungen und spannte ein weites berufliches und privates Netzwerk. Letztlich war er es auch, der Max Slevogt und Lovis Corinth überzeugte, mit ihm nach Berlin zu gehen und somit den Weg beider nachhaltig beeinflusste.

Emil Orlik, Neue 95 Köpfe – Im Romanischen Café, 1926, Berlin Verlag Cassirer, LBZ/Pfälzische Landesbibliothek Speyer © GDKE - Landesmuseum Mainz (Ursula Rudischer)

In Berlin, im Umfeld der Aufbruchstimmung der Berliner Secession, wurde die Freundschaft zu Slevogt weiter intensiviert. Belegt sind zum Beispiel zahlreiche gemeinsame Treffen des Künstler-Stammtisches in dem kleinen Restaurant „Frederich“ in der Potsdamer Straße, wo sich unter anderem Max Slevogt, Lovis Corinth und manchmal auch Max Liebermann zusammenfanden. Laut den Erinnerungen von Cassirers Frau Tilla Durieux eine durchaus trinkfeste Runde, deren heftige Debatten oft bis in die Morgenstunden dauerten. 

Für Max Slevogt war auch die enge Zusammenarbeit mit dem Verlegerduo Paul und Bruno Cassirer hinsichtlich zahlreicher Buchprojekte von immenser Bedeutung. 1908, als der gemeinsame Aufenthalt in Noordwijk stattfand, beschäftigte sich Slevogt gerade mit den umfangreichen Illustrationen zum Abenteuerroman „Lederstrumpf“ von James Fenimore Cooper, der kurz darauf in der Pan-Presse Paul Cassirers veröffentlicht wurde. 

Im Zuge dieser Beschäftigung mit dem Indianerroman überlieferte Tilla Durieux folgende Anekdote, die sich 1908 am Strand von Noordwijk abgespielt hatte und das freundschaftliche Verhältnis aller exemplarisch widerspiegelt: „Wir kamen dadurch auf den Gedanken, Indianer zu spielen, und taten es mit viel Hingabe. Er und P.C. [Paul Cassirer] waren damals Anfang vierzig, aber sie gebärdeten sich, als seien sie vierzehn. Wir stürzten auf unsere Bekannten mit wildem Geheul los, wir machten uns in den Dünen Lagerfeuer und rauchten dazu die langen holländischen Tonpfeifen.“